Weihnachtsgedichte



                 


Es treibt der Wind im Winterwalde die Flockenherde wie ein Hirt,

und manche Tanne ahnt, wie balde sie fromm und lichterheilig wird,

und lauscht hinaus, den weissen Wegen streckt sie die Zweige hin - bereit,

und wehrt dem Wind und wächst entgegen der einen Nacht der Heiligkeit.


                                Von Rainer Maria Rilke      









      

Es gibt....



Es gibt so wunderweiße Nächte,
drin alle Dinge Silber sind.
Da schimmert mancher Stern so lind,
als ob er fromme Hirten brächte
zu einem neuen Jesuskind.

Weit wie mit dichtem Demantstaube
bestreut, erscheinen Flur und Flut,
und in die Herzen traumgemut
steigt ein kapellenloser Glaube,
der leise seine Wunder tut.

Von Rainer Maria Rilke




      In der Weihnachtszeit


    

So klar gefegt der Winterhimmel
von lieben Weihnachtsengelein,
und in den Straßen ein Gewimmel
von frohen Menschen, groß und klein
im kalten Wintersonnenschein.

Die Dächer und die hohen Bäume,
die blicken alle still verschneit,
und lauter sel'ge Weihnachtsträume,
die fliegen durch die Dunkelheit
in aller tiefster Heimlichkeit.


von Martha Gärtner   






  

Der Christbaum

Der Winter ist ein karger Mann,
er hat von Schnee ein Röcklein an;
zwei Schuh von Eis
sind nicht zu heiß;
von rauhem Reif eine Mütze
macht auch nur wenig Hitze.

Er klagt: "Verarmt ist Feld und Flur!"
Den grünen Christbaum hat es nur;
den trägt er aus
in jedes Haus,
in Hütten und Königshallen:
den schönsten Baum von allen!

von Friedrich Wilhelm Weber                             







 

         Weihnachtsglocken

                              
          

Ein Glockenschlag erweckt mich aus meinem Brüten.
Es sind die Weihnachtsglocken.
Ich fahre mit der Hand über meine Stirn und lausche;
der Klang, unwiderstehlich zog es mich hinaus.
Hinaus in die Heilige Nacht.
Geistesabwesend, immer noch in tiefen Gedanken
an die läutenden Glocken, gehe ich zur Garderobe,
ziehe mir einen warmen Mantel an.
Vor vorigen Tage her weiß ich noch, dass es kalt war.
Ich suche aus der Kommode warme Handschuhe
und einen Schal heraus.
Warm angezogen trete ich auf die Straße.
Die Glocken weisen mir den Weg.
Alles ist still und dunkel.
Kein Stern am Himmel.
Ich schreite schweigend durch die stillen Straßen.
Immer noch die Glocken im Ohr.
Das Erwachen der Stadt.
Die Dämmerung am Abend.
In den Fenstern flackern die Lichter auf.
Es werden immer mehr.
Hinter den Fenstern sehe ich Weihnachtsbäume im vollen Glanz.
Kindergesichter tauchen am Fenster auf.
Sie drücken sich ihre Nase platt. Sie warten auf das Christkind.
Haustüren öffnen sich leise.
Hier und da huscht eine Gestalt an mir vorbei.
Immer mehr Leute werden es. Sie streben alle das gleiche Ziel an.
Am Kirchplatz ist eine große Weihnachtskrippe aufgebaut.
Die Kinder und Erwachsenen stehen staunend um sie herum.
Die Kirchentür ist geöffnet.
Heller Lichterstrahl erleuchtet den Kirchplatz.
Wie ein Magnet werde ich angezogen.
Ich lehne mich an die Pfeiler Nähe der Pforte.
Ich lausche --- Außen der Glockenklang --- Innen die Orgel.


Text von: Obermeier, München 1994


 
          



Bis Weihnachten,
bis Weihnachten ist es nicht mehr weit.

 

 

Dicke rote Kerzen, Tannenzweigenduft,
und ein Hauch von Heimlichkeiten liegt jetzt in der Luft.
Und das Herz wird weich - macht Euch jetzt bereit;
Bis Weihnachten ist es nicht mehr weit.
              


       
Schneidern, Hämmern, Basteln überall im Haus.
Man begegnet hin und wieder schon den Nikolaus.
Ja, Ihr wisst Bescheid! Macht Euch jetzt bereit;
Bis Weihnachten ist es nicht mehr weit.




Lieb verpackte Päckchen überall versteckt,
und die frisch gebackenen Plätzchen wurden schon entdeckt.
Heute hat es geschneit! Macht Euch jetzt bereit;
Bis Weihnachten ist es nicht mehr weit.

          

Menschen finden wieder füreinander Zeit.
Und klingen alte Lieder durch die Dunkelheit.
Bald ist es soweit! Macht Euch jetzt bereit;
Bis Weihnachten ist es nicht mehr weit.



                              

          Fünf Engel haben gesungen....

          Fünf Engele haben gesungen,
          fünf Engele kommen gesprungen.
          Das erste bläst's Feuerle an,
          das zweite stellt's Pfännle dran,
          das dritte schütt's Teigle drein,
          das vierte tut brav Zucker nein,
          das fünfte sagt, 's angericht,
          jetzt, mein Büble, brenn dich nicht!


                     






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